LiSL Bayern im Interview mit Albert Duin

LiSL Bayern hatte in Form unseres stellvertretenden Landesvorsitzenden für Presse und Öffentlichkeitsarbeit, Uwe Tomas, die Gelegenheit, mit Albert Duin, dem Landesvorsitzenden der Freien Demokraten Bayern in seinem Büro zu sprechen.

Uwe Tomas, LiSL Bayern, und Albert Duin, FDP Bayern

Uwe Tomas, LiSL Bayern, und Albert Duin, FDP Bayern

Weitere Interviews von Uwe Thomas mit verschiedensten Menschen aus Politik und Kultur sind unter http://www.lisl-bayern.de zu finden.

Beim Interview mit Albert Duin standen folgende Themen im Mittelpunkt:
-Öffnung der Ehe für alle Arten der Partnerschaft
-Sorgerechtserweiterung auf mehr als 2 Elternteile
-Diversity Management
-Asylrecht für Verfolgte auf Grund ihrer sexuellen Orientierung

Uwe Tomas: Lieber Albert, herzlichen Dank für die Einladung in Deine Firma Induktor GmbH zu diesem Gespräch. Wir haben ja schon in Berlin begonnen, über einige Belange der Liberalen Schwulen und Lesben in Bayern, kurz LiSL Bayern, zu sprechen. Wir fragen uns, z.B. wie es in Deiner Firma Diversity Management aussieht?

Albert Duin: Ich bin sehr dankbar, wenn sich in meiner Firma ein Mitarbeiter outet, egal ob religiös, politisch oder bezüglich seiner sexuellen Orientierung. Dann können wir alle unbefangen, fröhlich und neugierig damit umgehen. So entsteht Akzeptanz, die wir hier alle wirklich leben.

Uwe Tomas: Asyl, Asylmissbrauch, Prüfung der Asylgründe: Immer wieder hört man Stimmen, wie denn der Asylantrag für Verfolgte wegen deren sexueller Orientierung geprüft werden kann, ob denn die Gründe wirklich stimmen.

Albert Duin: Es gibt drei gute Gründe für die Flucht nach Deutschland: politische Verfolgung, wirtschaftliche Not und ethnische Verfolgung wie die Bedrohung Homosexueller. Bei allen Gruppen steht erstmal das Vertrauen im Vordergrund, das der deutsche Staat diesen Menschen entgegenbringt. Wir glauben diesen Menschen und nehmen sie auf. Selbstverständlich sind wir von den Liberalen gegen diskriminierende Tests zur Feststellung der sexuellen Orientierung.

Uwe Tomas: Die Außenpolitik unter Guido Westerwelle wurde auch unter dem Aspekt der Akzeptanz für gleichgeschlechtliche Lebensformen gestaltet. Auslandsreisen in Begleitung seines Mannes sorgten unter anderem in Saudi Arabien für Proteste. Wie stehst Du dazu?

Albert Duin: Ja, ich dachte mir da gleich, muss das sein?! Er ist Diplomat und soll die Gepflogenheiten in anderen Ländern achten, auf keinen Fall provozieren. Auch nicht verstecken, aber eben keine falsche Hoffnung bei den dort lebenden Homosexuellen wecken. Seine Neigungen verstecken aber eben auch nicht, das ist leider durch die Presse gegangen, damit kokettieren. Er war als Außenminister dort und nicht als Schwulenbeauftragter.

Uwe Tomas: Moment, er hat in meinen Augen nicht provoziert. Das wäre der Fall, hätte er mit Herrn Mronz Händchen gehalten oder sie hätten sich innig in der Öffentlichkeit geküsst. So hat er nur Normalität vorgeführt. Nicht zu vergessen, dass in den meisten islamistischen Staaten noch die Todesstrafe für Homosexualität gilt.

Albert Duin: Dagegen muss unbedingt politisch, und im Extremfall auch wirtschaftlich, vorgegangen werden, aber immer mit Augenmaß.

Uwe Tomas: Hast Du schwule Identifikationsfiguren ? Welche?

Albert Duin: Nein. Ich bin erst so richtig mit dieser Problemstellung bei meiner Arbeit in der FDP konfrontiert worden und habe mir früher nicht viele Gedanken darüber gemacht. Ja klar, in einem Studentenwohnheim gab es einige Schwule, aber da hatte ich kaum Berührung vor vielen Jahren.

Uwe Tomas: Im Sport ist es sehr schwer sich zu outen. Fasziniert Dich mehr der schüchterne Thomas Hitzlsperger oder der Heterohengst Franz Beckenbauer, der seine Frau alle 10 Jahre gegen ein jüngeres Modell eintauscht?

Albert Duin: Ich bin überzeugter Chauvinist und lebe das auch aus. Früher musste sich die Frau zwischen  Familie und Beruf entscheiden. Gegen dieses „oder“ ist heute ein „und“ gekommen. Es muss beides gehen, was zur Teilzeitarbeit führt. Ein kompletter Rollentausch zwischen Mann und Frau kann ich mir zwar vorstellen, kommt für mich aber nicht in Frage. Ebenso habe ich keine Lust, mir durch Geld und Einfluss wie Herr Beckenbauer Frauen zu besorgen. Eine emanzipierte Frau ist mir wichtig.

Uwe Tomas: Wie siehst Du Conchita Wurst, die Gewinnerin des ESC 2014? Als schwuler Mann, als weibliche Diva?

Albert Duin: Als schwuler Mann, der sich verkleidet.

Uwe Tomas: Und ihre Botschaft? Für Toleranz gegenüber allen Menschen, egal wie sie leben, wie sie sich kleiden und wen sie lieben?

Albert Duin: Das ist ein sehr wichtiges Anliegen und eine große Aufgabe, kommt bei mir aber nicht als Werbeträger an. Für mich einfach zu viel Mainstream und zu wenig Message.

Uwe Tomas: Kultur in München. Rainer Werner Fassbinder wird in München zu seinem 70. Geburtstag nicht sonderlich geehrt. Hat da Herr Dr. Heubisch, Kulturstaatsminister a.D. und Stadtrat der FDP, etwas versäumt?

Albert Duin: War der schwul? Mensch bin ich blind.

Uwe Tomas: Rainer Werner Fassbinder schon. Dr. Heubisch hat ja bereits das zweite Mal eine Frau geheiratet. Der ist sicher nicht schwul.

Albert Duin: Oh, da fällt mir eine kleine Geschichte ein: Ich habe Wolfgang (Dr. Heubisch, Anm. d. Red.) vor seiner zweiten Heirat mit seiner zukünftigen Frau getroffen. „Also Wolfgang, Du hast wirklich Geschmack, was die Wahl Deiner Frauen betrifft, so hübsch und jung, einfach toll. Aber Sie, gnädige Frau, weniger.“

Uwe Tomas: Hat München in der Kultur, auch Subkultur, etwas verpasst, wie eben die Ehrungen für Rainer Werner Fassbinder?

Albert Duin: Ja, da hätte der Stadtrat mehr tun können, jetzt frage mich aber nicht, was. Ich bin einfach zu wenig in der Szene.

Albert Duin, FDP Bayern, mit Uwe Tomas, LiSL Bayern

Albert Duin, FDP Bayern, mit Uwe Tomas, LiSL Bayern

Uwe Tomas: Zum  CSD 2015 wird die FDP wieder einen Wagen bereitstellen, Werbematerial zur Verfügung stellen und sich positiv und engagiert in der Community präsentieren. Dank an die vielen ehrenamtlichen Helfer, die finanzielle Unterstützung der Kreisverbände und an unseren Stadtrat Dr. Michael Mattar. Aber zurück zu Dir, Albert: Was machst Du kulturell gerne?

Albert Duin: Lesen, am liebsten Biographien. Beeindruckend fand ich die Biographie über Wilhelm Röntgen. Ein Mann, der seine Ziele konsequent verfolgte. Nachdem er in Deutschland mangels eines Abiturs nicht studieren durfte, hat er dies in der Schweiz getan und wurde später an der LMU (Ludwig-Maximilian-Universität, Anm. d. Red.)  Dekan. Seine größte Erfindung, den Röntgenapparat, hat er bewusst nicht patentieren lassen, um ihn so allen Menschen schnell und kostengünstig zugänglich zu machen. Respekt vor so viel Altruismus.

Uwe Tomas: Frauenquote in der FDP: Wie viele weibliche Mitglieder hat die FDP?

Albert Duin: 23 % der Mitglieder sind Frauen. Auch im Präsidium sind Frauen gut vertreten. Das haben sie durch eigene Kraft geschafft und nicht wegen irgendeiner Quote. Frauen sind meistens viel zu nachgiebig in ihren berechtigten Forderungen und Wünschen.

Uwe Tomas: Danke, lieber Albert, für das ehrliche Gespräch und Deine interessanten Antworten. Wir von LiSL Bayern wünschen Dir für Deine politische Arbeit als Landesvorsitzender weiterhin viel Erfolg. Ich bin mir sicher, dass unsere Anliegen, die der schwulen Community, bei Dir in guten Händen sind und wir uns weiterhin austauschen werden.

Im Anschluss durfte ich mit den Mitarbeitern der Firma Induktor GmbH am monatlichen Weisswurstessen teilnehmen und habe die gute Stimmung unter den Mitarbeitern und gegenüber Ihrem Chef erleben können.